Ausgabe April 2025

Die Polarisierungsfalle: Linksfront gegen Merz?

Luis Villasmil via unsplash.com

Bild: Luis Villasmil via unsplash.com

Nach dem Tabubruch von Friedrich Merz, im Bundestag mit AfD-Stimmen einen Antrag zur Migrationspolitik zu verabschieden, plädieren manche Linke für eine Volksfront gegen die Union. Bei SPD und Grünen dürften die erheblichen Stimmenverluste an die Linkspartei diese Strategie zusätzlich attraktiv erscheinen lassen. Doch das wäre ein Irrweg, warnt Winfried Thaa, denn Polarisierung schade stets der Demokratie.

Für einen kurzen Moment sah es Anfang Februar so aus, als könne die Empörung über das gemeinsame Abstimmen von CDU/CSU und AfD im Deutschen Bundestag eine neue linke Massenbewegung hervorbringen. Seit den Zeiten der Friedensbewegung gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen hatte es Demonstrationen dieser Größenordnung nicht mehr gegeben. Und während es 1981 mehrerer Monate organisatorischer Vorarbeit und Mobilisierung bedurfte, um 300 000 Menschen im Bonner Hofgarten zusammenzubringen, demonstrierten annähernd so viele Menschen schon wenige Tage nach dem Tabubruch der Union allein in München – von zahlreichen Kundgebungen in anderen Städten mit zehntausenden Teilnehmern ganz abgesehen. Die Euphorie der Demonstrierenden, die Gefühle kollektiver Stärke und moralischer Selbstbestätigung dürften allerdings nicht lange vorgehalten haben. Bei der Bundestagswahl erreichten die Parteien, die der Initiative von Friedrich Merz zugestimmt hatten, nahezu 60 Prozent der Stimmen.

»Blätter«-Ausgabe 4/2025

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