Ausgabe Dezember 2025

»Ein Nein zur Migration ist ein Ja zum Rassismus«

 Bild: Ursula Krechel, Vom Herzasthma des Exils. Cover: Klett-Cotta Verlag

Bild: Bild: Ursula Krechel, Vom Herzasthma des Exils. Cover: Klett-Cotta Verlag

Jüngst wurde die Schriftstellerin Ursula Krechel mit dem renommierten Büchner-Preis ausgezeichnet. Wer einen Einstieg in ihr breit gefächertes Werk sucht, ist mit dem schmalen Band „Vom Herzasthma des Exils“ gut beraten. In 24 Kurzessays widmet sich Krechel in diesem Buch, unter einem von Thomas Mann geborgten Titel, den Themen Flucht, Migration und Exil – von der Französischen Revolution bis in unsere Tage. Von dort führen Abzweigungen zu ihren zentralen Werken, allen voran der thematisch verwandten Trilogie von „Shanghai fern von wo“ über „Landgericht“ bis „Geisterbahn“, mit der sie sich ein breites Publikum erschloss. Ihren mit dem Deutschen Buchpreis gekrönten und verfilmten Roman „Das Landgericht“, in dem sie die Rückkehr eines Juristen aus dem kubanischen Exil erzählt, gestaltete sie aus Akten des Landesarchivs von Rheinland-Pfalz. Geradezu schwärmerisch schreibt sie von der „ungeheueren Verführung des Archivs“, von der „immensen Konzentration, die den Raum mit Energie füllt, allein ihretwegen sind die Tage in einem Archiv glückliche Tage“. 

Dokumentarisch unterfütterte Literatur gibt es seit langem – nicht zuletzt schon bei Georg Büchner. In den 1960er Jahren waren es vor allem Theaterstücke von Rolf Hochhuth über Peter Weiss bis Heinar Kipphardt. Und in den letzten beiden Jahrzehnten entwickelten sich Epen aus dem Archiv zum Zeichen unserer Zeit.

»Blätter«-Ausgabe 12/2025

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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