Ausgabe November 2026

Hochglanz und Unterdrückung: Das neue Ägypten

Ein Blick auf die Ausstellung zeitgenössischer Kunst »Forever Is Now«, die im Winter 2025 bei den Pyramiden von Gizeh stattfand (IMAGO / Anadolu Agency)

Bild: Ein Blick auf die Ausstellung zeitgenössischer Kunst »Forever Is Now«, die im Winter 2025 bei den Pyramiden von Gizeh stattfand (IMAGO / Anadolu Agency)

Am Talaat-Harb-Platz, einem historischen Kreisverkehr im Stadtzentrum von Kairo, wird renoviert. Über Baugerüste klettern Arbeiter an den alten Gebäuden hoch, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach europäischem Vorbild gebaut wurden. Einige Fassaden leuchten schon in frischem Weiß, andere tragen noch den vergilbten Charme vergangener Jahrzehnte. Direkt um die Ecke versteckt sich in einer Nische das Cinema Radio. Wo früher Filme gezeigt wurden und Ikonen wie die Sängerin Umm Kulthum auftraten, finden heute Kunstausstellungen statt. Auf dem Platz vor dem Eingang tummeln sich junge Ägypterinnen und Ägypter in hippen Cafés in Starbucks-Ästhetik. 

Wer heute in Downtown Kairo unterwegs ist, bewegt sich durch eine Welt voller Kontraste. Eine junge, internationale und kreative Szene breitet sich hier in einem staubig-chaotischen Stadtteil aus, der sonst eher von Traditionsbetrieben und Straßenmärkten mit lokalen Produkten geprägt ist und dessen alteingesessene Gastronomie ihre glamourösesten Tage hinter sich hat. Eine neue Hochglanzfassade schiebt sich aktuell auch vor die Erinnerungen an Aufstand und Unterdrückung, die sich hier in den vergangenen 15 Jahren zugetragen haben. Downtown war schon immer das pulsierende Herz des ägyptischen Widerstands. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts fanden hier Aufstände gegen die französische Besatzung statt, im 20. Jahrhundert gegen die britische Kolonialherrschaft.

»Blätter«-Ausgabe 11/2026

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