Bild: Der Bundesminister für Finanzen Österreichs Markus Marterbauer (SPÖ), 22.9.2026 (IMAGO / Michael Indra)
Es waren wohl zwischenmenschlich keine besonders schönen Szenen, die sich an einem Sonntagnachmittag Anfang Oktober hinter verschlossenen Türen im Konferenzraum des eleganten Steigenberger-Hotels in der Wiener Innenstadt abspielten. Andreas Babler, der Vorsitzende der österreichischen Sozialdemokratie und Vizekanzler, hatte die Spitzenfunktionäre seiner SPÖ, die Anführer der Gewerkschaften und die Frontleute der neun Bundesländerparteien zu einem Krisentreffen geladen. Schon in den Wochen und Monaten davor war sein Rückhalt geschwunden. Zu schlecht waren die Umfragen – eine wies für die große Traditionspartei SPÖ nur mehr 15 Prozent aus –, zu schlecht Bablers persönliche Zustimmungswerte, die noch einmal deutlich unter dem geringen Zuspruch zu seiner Partei lagen.
Die neun Landeschefs, untereinander ansonsten weitgehend spinnefeind, hatten erstmals seit langer Zeit bei einem Thema eine gemeinsame Haltung gefunden – nämlich dass es mit Babler nicht mehr so weiterginge. Sie eröffneten ihm, was er natürlich schon längst wusste: dass sie ihn weghaben wollten. Aber sie konnten ihm auch nicht mit einem Sonderparteitag und Abwahl drohen, denn die SPÖ hatte sich ein neues, basisdemokratisches Statut gegeben, das bei Konfliktkandidaturen mehrerer Anwärter auf den Parteivorsitz zwingend eine Mitgliederabstimmung vorsieht. Babler wehrte sich. Alles zog sich. Böse Sätze fielen.