Ausgabe März 1990

Von der BRD lernen, heißt siegen lernen

Anmerkungen zur marktwirtschaftlichen Transformation der DDR

Diesseits aller deutsch-deutschen Hoffnungen, Ängste und Mystizismen stehen im Zentrum der neuen "deutschen Frage" 1990 unverkennbar - reale, aber auch herbeigeredete - wirtschaftliche Zwänge und Kalküle. Beiträge von Kurt Hübner, Rudolf Hickel und einer Wissenschaftlergruppe zur ökonomischen Seite der "Deutschland, einig Vaterland"-Dynamik bilden deshalb einen Schwerpunkt der vorliegenden Ausgabe, auch wenn andere Aspekte der spekulativen Phantasie, links-nostalgisch oder national aufbruchgestimmt, leichtere Kost bieten mögen. D. Red.

Reduktion der Vielfalt

Knapp sechs Wochen vor dem vorgezogenen Wahltermin in der Deutschen Demokratischen Republik darf festgestellt werden: Jegliche sozialistische Planwirtschaft in den Farben einer DDR gehört der Vergangenheit an. Die zukünftige Wirtschaftsform wird ein Typus kapitalistischer Marktwirtschaft sein, wie er sich in seinen Grundlinien zu Beginn der 50er Jahre in der Bundesrepublik herausentwickelte. Was im November und Dezember des vergangenen Jahres noch eine Option unter mehreren war, hat sich heute als Entwicklungsweg der DDR durchgesetzt. Alles Spintisieren über einen "Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und bürokratischem Sozialismus gehört deshalb heute bereits der Vergangenheit an.

März 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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