Ausgabe Juli 1990

Auswege aus der Gewalt

Kolumbien vor dem nationalen Dialog?

Nach dem erwarteten Wahlsieg von Cesar Gaviria Ende Mai lautet die große Frage, wie der neue Präsident Kolumbiens den gefährlichsten Staat der Welt in eine regierungsfähige Ordnung zurückführen will. Die Aussichten dafür stehen schlecht, und das nicht nur, weil dem künftigen Staatschef die Fähigkeit und der politische Wille zur Lösung des komplexen kolumbianischen Konflikts abgesprochen werden: unter dem scheidenden Präsidenten Virgilio Barco haben die Rechtsextremen und die Drogenmafia zusammen eine Machtposition erreicht, der nur durch eine entschiedene Politik mit aktiver Unterstützung der Bevölkerungsmehrheit entgegengetreten werden könnte. Vielleicht kann ein breiter nationaler Dialog im Rahmen einer neuen Verfassunggebenden Versammlung den Weg dahin ebnen.

Vormarsch der extremen Rechten

Der Wahlkampf für die Parlaments- und Kommunalwahlen am 11. März und die Präsidentschaftswahlen am 27. Mai bedeutete selbst für das Land der V i o l e n c i a, der Gewalttätigkeit, einen Rekord. Dutzende Kandidaten für das Amt eines Bürgermeisters oder eines Gemeinderates wurden ermordet. Der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat, Luis Carlos Galan von der Liberalen Partei, wurde im August 1989 bei einer Wahlveranstaltung erschossen - allem Anschein nach im Auftrag seines Erzfeindes Pablo Escobar vom Medellin-Drogenkartell.

Juli 1990

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Lateinamerika