Ausgabe Dezember 1990

Ameriskleros

Vor drei Jahren hat Paul Kennedy von der Yale-Universität die Frage aufgeworfen, ob die USA angesichts ihrer weltweiten militärischen Verpflichtungen und der eklatanten wirtschaftlichen Schwäche ein "Imperium im Niedergang" seien 1).

Inzwischen kann diese Frage definitiv mit Ja beantwortet werden - trotz aller selbstzufriedenen Einwände Washingtoner Regierungsvertreter, daß die Irakkrise den Supermacht-Status der USA nachhaltig bestätige. Auf dem westlichen Wirtschaftsgipfel im Juli dieses Jahres hatte Präsident Bush noch bescheiden von einer Partnerschaft zwischen den USA und den Verbündeten gesprochen. Seit Beginn des amerikanischen Truppenaufmarschs in Saudi-Arabien ist Washington in die alte, aus den Zeiten des Kalten Krieges bekannte Führungsrhetorik zurückgefallen: Man ist wieder wer ... - entgegen allen Versicherungen allerdings nicht die unangefochtene Supermacht, sondern nur die führende Militärmacht der Welt. Für den Supermacht-Status fehlt den USA die wirtschaftliche Stärke: Eine Supermacht muß sich ihre militärischen Interventionen nicht von anderen finanzieren lassen. Zudem mangelt es an dem, was Kolumnisten "nationalen Willen" nennen. Die Gesellschaft ist in Interessengruppen zersplittert. Die Amerikaner blicken pessimistisch in die Zukunft.

Dezember 1990

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema