Ausgabe Dezember 1990

Ameriskleros

Vor drei Jahren hat Paul Kennedy von der Yale-Universität die Frage aufgeworfen, ob die USA angesichts ihrer weltweiten militärischen Verpflichtungen und der eklatanten wirtschaftlichen Schwäche ein "Imperium im Niedergang" seien 1).

Inzwischen kann diese Frage definitiv mit Ja beantwortet werden - trotz aller selbstzufriedenen Einwände Washingtoner Regierungsvertreter, daß die Irakkrise den Supermacht-Status der USA nachhaltig bestätige. Auf dem westlichen Wirtschaftsgipfel im Juli dieses Jahres hatte Präsident Bush noch bescheiden von einer Partnerschaft zwischen den USA und den Verbündeten gesprochen. Seit Beginn des amerikanischen Truppenaufmarschs in Saudi-Arabien ist Washington in die alte, aus den Zeiten des Kalten Krieges bekannte Führungsrhetorik zurückgefallen: Man ist wieder wer ... - entgegen allen Versicherungen allerdings nicht die unangefochtene Supermacht, sondern nur die führende Militärmacht der Welt. Für den Supermacht-Status fehlt den USA die wirtschaftliche Stärke: Eine Supermacht muß sich ihre militärischen Interventionen nicht von anderen finanzieren lassen. Zudem mangelt es an dem, was Kolumnisten "nationalen Willen" nennen. Die Gesellschaft ist in Interessengruppen zersplittert. Die Amerikaner blicken pessimistisch in die Zukunft.

Dezember 1990

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

25 Jahre Nine Eleven

von Ronald Ofteringer

25 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem von den USA ausgerufenen »War on Terror« sind dschihadistische Gruppen Teil eines expandierenden Konfliktgeschehens, während das Instrumentarium des Antiterrorkriegs weiter Anwendung findet, auch über die Terrorbekämpfung hinaus – als Bestandteil einer neuen globalen Sicherheitskultur des »Rechts des Stärkeren«.