Ausgabe Juli 1991

Eine Chance für Äthiopien?

Zum zweiten Mal ist es einer afrikanischen Guerilla gelungen, eine Regierung zu stürzen. Nach dem Sieg des "National Resistance Movement" in Uganda brach nun auch in Äthopien ein hochgerüstetes Regime unter dem politischen und militärischen Druck bewaffneter Opposition zusammen. Mengistu Haile Mariam, Äthiopiens Ex-Diktator, vermochte sich gerade noch rechtzeitig ins zimbabwische "Asyl" abzusetzen. Dort mußte er erleben, wie seine Armee, einst immerhin Afrikas zweitstärkste, binnen weniger Tage zerfiel und das lange für unmöglich gehaltene geschah: die Einkesselung und Eroberung Addis Abebas durch Verbände der Ethiopian Peoples Revolutionary Democratic Front (EPRDF).

Das politische Ende Mengistus und seiner Parteigänger hatte sich seit langem abgezeichnet. Durch die Unfähigkeit zum Kompromiß, systematische Menschenrechtsverletzungen und ausbleibende Entwicklungserfolge innenpolitisch isoliert, hatte das Willkürregime, durch Putschversuche und Kriegsmüdigkeit geschwächt, zuletzt auch seine osteuropäischen Bündnispartner (und Waffenlieferanten) verloren. Späten Versuchen, sich durch wirtschaftspolitische Reformen, personelle Kosmetik und demonstrative Unterstützung der USA im Golfkrieg dem Westen anzudienen, war kein Erfolg mehr beschieden.

Juli 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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