Ausgabe Januar 1992

Perspektiven der Befreiung

Emanzipation und Identität

Die Entdeckung des Kolumbus am 12. Oktober des Jahres 1492 "erschuf" unsere Welt. "Seit diesem Datum ist die Welt geschlossen (obwohl das Universum unendlich wird)...; die Menschen haben nun die Ganzheit entdeckt, deren Bestandteil sie sind, während sie bis dahin ein Teil ohne Ganzes waren" (Tzvetan Todorov). Doch mit der "Erfindung", der Konstituierung der Einen Welt aus dem Geist Europas geht deren Zerstörung einher. Die Entdeckung entgrenzt: aus Entdeckern werden Eroberer, die der Maxime "Alles ist erlaubt" folgen. Die hemmungslose Gier nach Ausbeutung der Schätze der Neuen Welt führt zum beispiellosen Genozid an der "amerikanischen" Bevölkerung. Die Entdeckung des Kolumbus markiert den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Die Moderne, der die Suche nach neuen Grenzen und deren Überwindung genealogisch eingeschrieben ist, steht auch in der Nachfolge der Conquista. 1492-1992: In fünf Jahrhunderten entdeckte, erfand, produzierte und - zerstörte die neue Zivilisation unvergleichlich mehr als alle ihr vorausgegangenen Kulturen.

Januar 1992

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