Ausgabe Mai 1992

Flucht nach rechts

"Strukturveränderungen im politischen System", schlagzeilt die "Süddeutsche Zeitung" zwei Tage danach: Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein waren ein Schlag ins Kontor aller demokratischen Parteien.

Denn die "Protestwahlen" vom 5. April sind das Ergebnis des - tatsächlichen oder vermuteten Unvermögens der politischen Klasse, auf anstehende Probleme des vereinigten Deutschland angemessen zu reagieren. Vorerst werden sich demokratisch gesinnte Wähler wie Politiker damit abzufinden haben, daß Rechtsradikale von REPs und DVU in den Landtagen Platz nehmen. 10,9% Stimmenanteil verschaffen Schönhubers "Republikanern" 15 Mandate im Südwesten der Republik, während die "Deutsche Volksunion" des Münchner Verlegers Frey 6 Mandate (6,3%) im Norden erzielt. Rechnet man weitere Wahlerfolge von NPD (0,9%) und "Deutscher Liga" (0,5%) in das baden-württembergische Rechtsaußen-Ergebnis mit ein, dann entfallen auf die politischen Parteien am rechten Rand mehr als 12% oder ca. 605.000 Wähler.

In Schleswig-Holstein erzielen die REPs immerhin noch 1,2% - was zumindest die Alimentierung aus öffentlicher Hand, auch Wahlkampfkosten-Rückerstattung genannt, sicherstellt.

Mai 1992

Sie haben etwa 18% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 82% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema