Ausgabe Juni 1993

Die Hilflosigkeit eines nur noch beobachtenden Relativismus

Die hirntote Schwangere - Zwei Repliken

Bayertz und Schmidt weisen zu Recht darauf hin, daß für das Problem der künstlichen Beatmung und Ernährung der hirntoten Frau zur Rettung des fünfzehn Wochen alten Fötus keine absoluten moralischen Maßstäbe vorliegen konnten, die Grundlage für ein "richtiges" Handeln hätten sein können. Es ist sicher wichtig, angesichts der hochemotional geführten Debatte auf dieses Dilemma hinzuweisen. Auch wenn wir die Motive der handelnden Ärzte nicht kennen, und wir werden sie angesichts der hohen Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nie in voller Wahrhaftigkeit berichtet bekommen, so muß prinzipiell konzediert werden, daß Ärztinnen und Ärzte unter Zeitdruck zu Entscheidungen gedrängt werden können, deren Reichweite sie nicht überblicken und für die es keine gesellschaftlich erstrittenen normativen Regeln gibt.

Es erscheint weiter bedeutsam, daß die Autoren auf die systematische Überschätzung ethisch-moralischer Werturteile zur "Steuerung" zentraler Fragestellungen in der Medizin hingewiesen haben.

Juni 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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