Ausgabe Juni 1994

Wird Deutschland in der Normandie gesiegt haben?

Aktuell geworden ist unsere Themafrage durch das disparat wabernde Gerede und Geschreibe über eine eventuelle deutsche Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie (6. Juni 1944, "D-Day"), die wie an allen vorausgegangenen Jahrestagen am Schauplatz jener Operation britisch-kanadisch-amerikanischer Streitkräfte stattfinden werden. Der Bundeskanzler hat Meldungen über deutsche Bemühungen bei den französischen Gastgebern ums Dabeisein als "frei erfunden" bezeichnet und als seine unveränderte Auffassung bekanntgegeben, "daß eine deutsche Teilnahme nicht angebracht wäre" 1).

Der Wahrheitsgehalt seines Dementis kann hier dahinstehen; das Herumstochern der Medien in diesbezüglichen Mutmaßungen und Gerüchten kann (und soll wohl auch nicht selten) nur der Einnebelung fallübergreifender Zielsetzungen der Politik der Bundesregierung dienen, die beim Ende März erreichten Stand der inhaltlichen Vorbereitungen eine deutsche Teilnahme in der Tat für unangebracht halten mußte. Diese Politik richtet nämlich in Fortsetzung der "Deutschlandpolitik" aller bisherigen Bundesregierungen ihr Augenmerk schon jetzt auf die zum 50. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Großdeutschen Wehrmacht vor den Alliierten in Reims (7. Mai 1945, "VE-Day"; die Wiederholung der Kapitulation am 9.

Juni 1994

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