Ausgabe September 1994

Weimarisierung

"Von Stauffenberg ist der Satz überliefert: Wir wollen eine neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt..." (Helmut Kohl) 1) "Wir wollen eine neue Ordnung, die alle Deutsche zu Trägem des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und beugen uns vor den naturgegebenen Rängen." (Claus Schenk Graf von Stauffenberg) 2) "Weimar", also die Berliner Republik von 1919 bis 1933/45, gilt als Demokratie ohne Demokraten. Feine von den deutschen "Eliten" verachtete, der Niederlage gegen die Westmächte zugeschriebene und schließlich dem Untergang bereitwillig preisgegebene undeutsche Mißgeburt. (Nicht nur die Nazis sprachen geringschätzig von der "Systemzeit".) Man träumte vom eigentlichen Deutschland, dem untergegangenen wilhelminischen oder dem kommenden Dritten Reich oder von der deutschen Sowjetrepublik. Für die real existierende erste deutsche Republik einzutreten galt, zumal unter Intellektuellen aller Couleur, als degoutant. Die trübe Erinnerung an die Republik ohne Republikaner gebar die Devise, "Bonn" dürfe nie "Weimar" werden. Bonn wurde nicht Weimar.

Aber seit Eliten, Intellektuelle, Meinungsmacher sich auf den langen Marsch in die Berlin Republic (Daniel Hamilton) begeben haben, droht der Weg beyond Bonn (ders.

September 1994

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Über den Verfassungspatriotismus hinaus

von Meron Mendel

Während des Historikerstreits 1986 wehrte sich Jürgen Habermas erfolgreich gegen die Relativierung des Holocaust und hoffte, die Deutschen würden statt einer konventionellen Nationalidentität einen Verfassungspatriotismus entwickeln. Heute sollte dieses abstrakte Konzept mit konkreten Inhalten gefüllt werden.