Ausgabe Oktober 1994

Normalität?

Wolfram Wette hat in seinem Artikel "Die Renaissance des Militärischen im neuen Deutschland" ("Blätter", 8/1994, S. 981 ff.) in eindrucksvoller Weise gezeigt, daß mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Weltsystems und dem Ende des Ost-West-Konflikts die Diskussion um eine grundlegende Veränderung der deutschen Verteidigungspolitik begonnen hat. Man sucht nach einer neuen Zukunftsperspektive für die Bundeswehr und findet sie in der militärischen Mitverantwortung für den Weltfrieden durch Beteiligung deutscher Verbände an friedenerhaltenden bzw. friedenschaffenden Einsätzen im Rahmen der UNO.

Während bisher unsere Soldaten nur auf direkte Landesverteidigung verpflichtet wurden und ihr Einsatz auf das NATO-Gebiet beschränkt war, hat inzwischen das Bundesverfassungsgericht den Weg für Einsätze out of area grundsätzlich freigemacht.

So bereitet sich unsere Politik auf eine künftige Weltmachtrolle vor, zu der auch manche ausländische Stimmen ermuntern, und Militärs wittern Morgenluft.

Oktober 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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