Ausgabe März 1996

Französische Zustände

Das Volk wechseln

Woher kommen diese Millionen von Demonstranten, die aus allen Winkeln Frankreichs auftauchen, obwohl der Frühling noch gar nicht ansteht? Proletarier? Man dachte, die seien durch Roboter ersetzt, durch Überschuldung zwangsverbürgerlicht oder stolz, die TGVs (die Hochgeschwindigkeitzüge) zu fahren, um die die Welt uns beneidet; durch die Angst vor der Arbeitslosigkeit und der Gewalt in den Vorstädten zur Raison gebracht, verblödet durch das Fernsehen, durch die Falschspielereien und Scheindebatten, durch exhibitionistische Geständnisse, karitative Wettbewerbe und Lotto. Die Händler in Sachen Kommunikation und Geopolitik hätten sich niemals träumen lassen, daß so viele "Immobilisten" (d.h. im Sinn der Regierungspolitik "Unbewegliche") sich noch den Reformen in den Weg stellen, das Land paralysieren und den Verkehr stillegen könnten. Vor allen Dingen haben sie nicht vorhergesehen, daß die Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel kaum murren würden. Denn diese masochistischen Gimpel haben Geschmack daran gefunden, vor Tau und Tag aufzustehen, Geschmack am Fahrrad, am per-Anhalter-Fahren, an der gegenseitigen Hilfe, am Miteinandersprechen. Das ist gefährlich, das Miteinandersprechen! So fängt das immer an 1789, 1968. (...

März 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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