Ausgabe April 1996

Labor Italien

Italien hat in den letzten Jahren enorme, teilweise spektakuläre Veränderungen durchgemacht. Weist dieser Wandel in seiner Bedeutung über das Land hinaus? Kann man von einem "Labor Italien" sprechen, in dem vieles zusammengekocht und ausprobiert wird, und von dessen neu erfundenen Produkten das eine oder andere auch exportierbar wäre? In seinem Buch "L'ivresse démocratique" (Paris 1995) schreibt Alain Minc: "Es gibt rudimentäre Meinungsdemokratien; sie sind dem geringsten populistischen Schub ausgeliefert und stolpern von kollektiver Gefühlswallung zu kollektiver Gefühlswallung.

In Lateinamerika waren sie schon lange vorgebildet, und eigenartigerweise erhebt der Peronismus sich erneut wie Phönix aus der Asche; vor Ort, aber auch in Kontinentaleuropa, Ost wie West. Was stellen die Berlusconis denn anderes dar, als einen medialen Peronismus, in dem die Medien die einst dem Militär vorbehaltene Rolle spielen?" Diese Sicht eines Franzosen von den Verhältnissen seiner Nachbarn "südlich der Alpen" wirkt suggestiv und einleuchtend, entspricht jedoch nicht ganz den Tatsachen. Im "bel paese" Italien ist es ein Fehler, den Schein mit der Substanz, die Form mit dem Inhalt, die "kollektiven Gefühlswallungen" mit der dahinterstehenden politischen Absicht zu verwechseln.

April 1996

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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