Ausgabe November 1996

Lohnfortzahlung und mehr

Manchmal haben Jahrestage einen höchst aktuellen politischen Bezug: Am 24. Oktober 1956 begann der 16wöchige Streik in der schleswig-holsteinischen Metallindustrie um die tarifliche Absicherung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Vierzig Jahre später sah sich die IG Metall gezwungen, dieses Datum zum Aktionstag zur Verteidigung der tariflichen Lohnfortzahlung zu machen.

Damit erreichte die aktuelle Auseinandersetzung um die Lohnfortzahlung einen neuen vorläufigen Höhepunkt. Vom Grad der Empörung unter den Arbeitnehmern und der Stärke des Widerstandes waren viele (auch in den Gewerkschaften) überrascht. Die Absicht insbesondere der Metallarbeitgeber, die bestehenden Tarifverträge flächendeckend mit einem einzigen Kraftakt auszuhebeln und die Lohnfortzahlung auf das niedrigere gesetzliche Niveau von 80% abzusenken, ist vor allem an den massiven Arbeitsniederlegungen der Beschäftigten bei Daimler Benz gescheitert. Zwei Wochen nachdem Gesamtmetall seine Mitgliedsfirmen zum Tarifbruch aufgefordert hatte, mußte der Verband einen Rückzieher machen. Es zeigte sich allerdings bald, daß die Gewerkschaften wenig Anlaß haben, diesen Sieg allzusehr zu feiern. Bereits die ersten Sachverhandlungen zwischen Gesamtmetall und IG Metall ließen kaum überbrückbare Gegensätze erkennen.

November 1996

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