Ausgabe November 1996

Der überfällige Wechsel

Die CDU/CSU muß den Weg in die politische Aufgabe der Opposition ohne Verbitterung, aber auch ohne Selbstgerechtigkeit gehen. Sie muß dabei eine nüchterne Standortbestimmung vornehmen, in der ihr Verhältnis zum gesellschaftlichen Wandel unseres Landes vorurteilslos gesehen und Fehlentwicklungen erkannt und beendet werden." Helmut Kohl 1) Daß die Demokratie vom Wechsel lebt, dementiert Wolfgang Schäuble inzwischen: "Nein, die Demokratie lebt von der regelmäßigen Entscheidung der Wähler, wen sie haben wollen." 2) Was soll der Mann auch anderes sagen: Am letzten Oktobertag verwies Helmut Kohl mit 5145 Tagen den Gründungskanzler Konrad Adenauer in puncto Sitzfleisch auf den zweiten Rang. Ein Reporter des öffentlich-rechtlichen Kanzlerkanals fragte Kohl kürzlich am Wolfgangsee nach dem "kleinen Geheimnis", daß ihn vor kräftigeren Turbulenzen bislang bewahrt habe. Antwort: "Sehen Sie, Sie stellen jetzt die Frage, ob ich bleiben will oder nicht. Früher war die Fragestellung genau umgekehrt, wann wird er endlich gehen und so. Das genieße ich mit einer gewissen Ruhe." 3)

"Der ewige Kanzler" titelte das deutsche Nachrichtenmagazin. 4) Auch wenn ein flüchtiger Blick anderes ergeben mag - die Republik ist politisch stillgelegt.

November 1996

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