Ausgabe November 1996

Der überfällige Wechsel

Die CDU/CSU muß den Weg in die politische Aufgabe der Opposition ohne Verbitterung, aber auch ohne Selbstgerechtigkeit gehen. Sie muß dabei eine nüchterne Standortbestimmung vornehmen, in der ihr Verhältnis zum gesellschaftlichen Wandel unseres Landes vorurteilslos gesehen und Fehlentwicklungen erkannt und beendet werden." Helmut Kohl 1) Daß die Demokratie vom Wechsel lebt, dementiert Wolfgang Schäuble inzwischen: "Nein, die Demokratie lebt von der regelmäßigen Entscheidung der Wähler, wen sie haben wollen." 2) Was soll der Mann auch anderes sagen: Am letzten Oktobertag verwies Helmut Kohl mit 5145 Tagen den Gründungskanzler Konrad Adenauer in puncto Sitzfleisch auf den zweiten Rang. Ein Reporter des öffentlich-rechtlichen Kanzlerkanals fragte Kohl kürzlich am Wolfgangsee nach dem "kleinen Geheimnis", daß ihn vor kräftigeren Turbulenzen bislang bewahrt habe. Antwort: "Sehen Sie, Sie stellen jetzt die Frage, ob ich bleiben will oder nicht. Früher war die Fragestellung genau umgekehrt, wann wird er endlich gehen und so. Das genieße ich mit einer gewissen Ruhe." 3)

"Der ewige Kanzler" titelte das deutsche Nachrichtenmagazin. 4) Auch wenn ein flüchtiger Blick anderes ergeben mag - die Republik ist politisch stillgelegt.

November 1996

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.