Ausgabe August 1997

Um die Hegemonie in Fernost

Zwei Themen beherrschten die Debatte über Hongkongs Rückkehr unter chinesische Souveränität: Menschenrechte und Mutmaßungen über die künftige geopolitische Rolle Chinas. Beide Themen lenken von den eigentlichen politischen Problemen der Region, die den Beginn des 21. Jahrhunderts dominieren werden, völlig ab. Die gegenwärtige Debatte kreist um die Frage, ob China das Menschenrechtsverständnis westlichen Stils, wie es der letzte britische Gouverneur, Chris Patten, in Hongkong eingeführt hatte, respektieren wird. Die Antwort kann nur lauten: Nein. Diese Konzeption individueller Rechte untergräbt nicht nur das momentane chinesische Regierungssystem, sie verstößt auch gegen die politischkulturellen Vorstellungen fast der ganzen Region. Ist China die kommende Supermacht? Die Idee, daß China sich anschicke, den USA machtpolitisch den Rang streitig zu machen, geht auf einen umstrittenen Weltbankreport von 1992 zurück, der Chinas Wirtschaftswachstum mit Hilfe von Kaufkraftkategorien prognostiziert - also indem verglichen wird, was auf den örtlichen Märkten jeweils wieviel kostet. Dies ist jedoch kein angemessenes Mittel, internationale Machtvergleiche vorzunehmen.

August 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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