Ausgabe August 1997

Vormarsch der Ethnos-Politik in den mitteleuropäischen Beitrittsländern

1. Postkommunismus und das Projekt des Anschlusses an den Westen

Gleich am Anfang der neuen Ära in Europa entstanden bei den Eliten im Westen und den ersten nichtkommunistischen Regierungen in den ehemaligen Ostblockstaaten neue Erwartungen. Es kam sehr schnell zu einer geopolitisch gefärbten Rangfolge, was den Zutritt zum Klub des Westens anbelangt. Dabei werden den ostmitteleuropäischen Staaten Polen, Tschechoslowakei und Ungarn (den sogenannten Visegrad-Nationen) die besten Chancen eingeräumt; Slowenien schloß sich mit Verspätung an. Andererseits gilt nach der Teilung der Tschechoslowakei die Slowakei unter der Meciar-Regierung immer mehr als Problem. Die Regierung Kohl maß der Aufnahme dieser Nachbarstaaten in EU und NATO ein besonderes Gewicht zu. Deutschland nimmt nun eine Schlüsselposition als Garant für die Anpassungsfähigkeit dieser postkommunistischen Nationen und als Richter für die favorisierten Erfolgsmodelle in Ostmitteleuropa ein. Deutschland hat aber auch schon mehrmals in der Vergangenheit eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung dieser Staaten und deren Anbindung an Europa gespielt.

August 1997

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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