Ausgabe Juni 2026

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

Die Banksy-Skulptur zeigt einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge, 2.5.2026 (IMAGO / Avalon.red / Pete Speller)

Bild: Die Banksy-Skulptur zeigt einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge, 2.5.2026 (IMAGO / Avalon.red / Pete Speller)

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge. Die aber weht ihm derart ins Gesicht, dass er nicht sehen kann, wie weit sein linker Fuß schon ins Leere läuft und dass ihn deshalb bereits sein nächster Schritt in den Abgrund stürzen wird. 

Es dauerte nicht lange, bis die Skulptur von den Briten als das erkannt und benannt wurde, was Banksy unzweifelhaft damit darstellen wollte: der blinde Patriot. Oder, wie die Skulptur neulich treffend von einer jungen Frau in der BBC beschrieben wurde: »Nationalismus und Populismus beschränken deine Sicht und lassen dich leicht vergessen, um was es wirklich geht.« Der Blick aufs Wesentliche geht verloren. 

Genau das ist bei den sogenannten britischen Midterms, den wichtigen Regional- und Landtagswahlen Anfang Mai geschehen, deren Nachbeben das Land derzeit in eine schwere und absehbar langandauernde Regierungskrise treiben. Keir Starmer, der amtierende Premierminister und große Verlierer der Wahl, dürfte die nächsten Wochen politisch kaum überleben, womit er dann bereits der sechste Premier wäre, der seit dem Brexit vorzeitig aus dem Amt scheiden muss.

»Blätter«-Ausgabe 6/2026

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