Ausgabe April 1998

Maikäfer flieg!

Über die Diskrepanz zwischen biologischem Wissen und politischem Handeln

Die Pestizideinsätze gegen Maikäfer in den 60er Jahren haben hunderte von Insektenarten zum Teil an den Rand der Ausrottung gebracht. Kaum tritt der Maikäfer lokal wieder in größeren Dichten auf, steht er erneut in den Schlagzeilen: "Eine Region rüstet zur großen Schlacht", so oder ähnlich titeln die Zeitungen. Der Ruf nach Pestizideinsätzen wird laut und man folgt ihm. Werden die Fehler von damals wiederholt? Hat der Mensch aus den Folgen der DDT-Einsätze nichts gelernt? Oder handelt es sich hier um den häufigen Fall der Diskrepanz zwischen Fachwissen einerseits und politischem Handeln andererseits? Als Hauptverursacher landwirtschaftlicher Schäden gilt der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha), dessen Larven bevorzugt Wurzeln von Wiesenkräutern und Büschen am Waldrand, aber auch von Beerenkulturen, Obstbäumen und Reben fressen. Die Larven des Waldmaikäfers (Melolontha hippocastani) fressen dagegen eher Wurzeln von jungen Bäumen, vor allem Laubbäumen. Bei beiden Arten dauert die Entwicklung je nach Region und Temperatur drei bis fünf Jahre. In dieser Zeit entwickelt sich aus dem Ei über die Larve - Engerling - und die Puppe der Käfer. Dieser bleibt im Boden, bis im Frühjahr, meist Anfang Mai, die richtigen Temperaturen zum Schwärmen herrschen.

April 1998

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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