"In dieser heute so geprüften Region muß der Glaube wieder zu einer einigenden und wohltätigen Kraft werden, wie die Flüsse, die sie durchqueren. Ich denke an den Fluß Save, der in Slowenien entspringt, euer Vaterland durchströmt, weiterfließt entlang der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina, um schließlich, auf serbischer Erde, sich mit der Donau zu vereinigen, (...) so wie (die) Völker aufgerufen sind, sich zu vereinen, und wie vor allem jene zwei Erscheinungsformen des Christentums es tun sollten, die westliche und die östliche, die in diesen Regionen seit je zusammenleben. In dieser Metapher der Flüsse können wir quasi den Pfad vorgezeichnet finden, den in dieser historischen Stunde zu beschreiten Gott euch aufruft." Fromme Worte von Papst Johannes Paul II. bei seinem ersten Besuch in Zagreb im September 1994, die den Charakter der Hirten-Visite als Friedensmission unterstreichen sollten. Eines allerdings hatte Karol Wojtyla in seiner Fluß-Metapher zu erwähnen vergessen: das an den Ufern des Flusses Save gelegene, zeitweilig von katholischen Ordensbrüdern geleitete Vemichtungslager Jasenovac, wo im Zeichen des Kreuzes in den Jahren 1941-1945 Hunderttausende Andersgläubige und Anders"rassige" von Katholiken abgeschlachtet wurden.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.