General Naumann, der jüngst verabschiedete Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, hatte schon immer die Nase vom. Ende 1991, damals als Generalinspekteur der Bundeswehr, zeichnete er in seinem Strategie-Papier den künftigen Weg der Bundeswehr zu Out-of-Area-Einsätzen und Krisenreaktionskräften vor. Die Verbundenheit mit der Truppe hat ihn auch im NATO-Amt nicht verlassen. Anfang Mai überraschte der scheidende NATO-General die Öffentlichkeit mit einer Botschaft, die gleichsam in der Luft (über Jugoslawien) lag. Es sei an der Zeit, gab er der nachfragenden "Bild am Sonntag" (2.5.1999) zu verstehen, über die "Schaffung einer deutschen Tapferkeitsauszeichnung" nachzudenken. Und: "Das Eiserne Kreuz als Tapferkeitsauszeichnung hat eine gute Tradition in Deutschland seit den Befreiungskriegen." Nun kann man dem Vorschlag eine makabre Plausibilität nicht absprechen. Wenn schon unter dem Hoheitszeichen der Luftwaffe, dem Eisernen Kreuz, in Jugoslawien Einsätze geflogen werden, dann kann diesem Emblem auch für Ordenszwecke eigentlich nichts im Wege stehen. Gleichwohl rührt die Frage an das prekäre Traditionsverständnis der Bundeswehr und fordert eine vielschichtige - Debatte heraus, die längst nicht ausgestanden ist.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.