Ausgabe Juli 1999

Medienshow ohne Substanz?

New Labours Dritter Weg

Der "gemeinsame Vorschlag" von Tony Blair und Gerhard Schröder an die europäische Sozialdemokratie (vgl. Dokumente zum Zeitgeschehen) sorgt hierzulande für Empörung beim politischen Gegner - FDP und CDU beanspruchen Urheberrecht -, aber auch für große Unruhe in den eigenen Reihen. Gerhard Schröder hatte bereits im Bundestagswahlkampf immer wieder zu verstehen gegeben, daß er Blairs Weg für modellhaft hält - nun soll der damit verbundene Kampf um die "Neue Mitte" wieder aufgenommen werden. Aber taugt denn New Labour als Modell? Der folgende Beitrag versucht zunächst einmal, Blair und seine Kritiker vorzustellen. Die britische Wahrnehmung des "Dritten Wegs" eignet sich wohl vortrefflich, um eine neue Runde in der Debatte um die Zukunft von Sozialstaat und Sozialdemokratie einzuläuten. (Vgl. die Beiträge zum Thema von Jürgen Habermas und Benjamin Mikfeld in der April-Ausgabe sowie Irene Dingeldeys Analyse der Arbeitsmarktpolitik von New Labour in der März-Nummer.) - D. Red.

Vor gut zwei Jahren, im Mai 1997, errangen Tony Blair und seine Labour-Partei einen herausragenden Wahlerfolg. Dieser Sieg nach vielen Jahren konservativer Herrschaft, Blairs Persönlichkeit und sein Charisma haben in der ganzen Welt Bewunderer gefunden, und Sozialdemokraten nicht nur in Deutschland versuchen, das Rezept von New Labour zu kopieren.

Juli 1999

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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