Vor gut eineinviertel Jahren, am 29. April 1998, ist das neue Energierecht in Deutschland in Kraft getreten. Damit waren nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch faktisch die Tage der Gebietsmonopole in der Stromwirtschaft gezählt. Seit diesem Zeitpunkt kann - zumindest in der Theorie - jeder Stromverbraucher seinen Versorger selbst wählen. Das Herzstück der Reform ist der sogenannte "offene Netzzugang" für Verbraucher und Versorger. Die Stromversorgungsunternehmen müssen die Bewirtschaftung ihrer Übertragungsnetze von ihren anderen unternehmerischen Aktivitäten trennen und als gesonderte Betriebsabteilung führen - mit eigener Bilanz und eigener Gewinn- und Verlustrechnung. Dies ist erforderlich, weil die Netzbetreiber ihre Netze anderen "diskriminierungsfrei" für Durchleitungen zur Verfügung stellen müssen. Die Kosten, die sie dafür in Rechnung stellen, dürfen nicht höher sein, als sie in vergleichbaren Fällen innerhalb des Stromversorgungsunternehmes selbst veranschlagt werden. Strom soll zur ganz normalen Handelsware wie Autos oder Stangenspargel werden. Der Weg zum Wettbewerb, wo jahrzehntelang Monopole die Branche bestimmt hatten, ist ein mühevoller und zum Teil sehr unübersichtlicher Prozeß.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.