Vor gut eineinviertel Jahren, am 29. April 1998, ist das neue Energierecht in Deutschland in Kraft getreten. Damit waren nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch faktisch die Tage der Gebietsmonopole in der Stromwirtschaft gezählt. Seit diesem Zeitpunkt kann - zumindest in der Theorie - jeder Stromverbraucher seinen Versorger selbst wählen. Das Herzstück der Reform ist der sogenannte "offene Netzzugang" für Verbraucher und Versorger. Die Stromversorgungsunternehmen müssen die Bewirtschaftung ihrer Übertragungsnetze von ihren anderen unternehmerischen Aktivitäten trennen und als gesonderte Betriebsabteilung führen - mit eigener Bilanz und eigener Gewinn- und Verlustrechnung. Dies ist erforderlich, weil die Netzbetreiber ihre Netze anderen "diskriminierungsfrei" für Durchleitungen zur Verfügung stellen müssen. Die Kosten, die sie dafür in Rechnung stellen, dürfen nicht höher sein, als sie in vergleichbaren Fällen innerhalb des Stromversorgungsunternehmes selbst veranschlagt werden. Strom soll zur ganz normalen Handelsware wie Autos oder Stangenspargel werden. Der Weg zum Wettbewerb, wo jahrzehntelang Monopole die Branche bestimmt hatten, ist ein mühevoller und zum Teil sehr unübersichtlicher Prozeß.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.