Ausgabe Januar 2000

Allmachtsphantasien der Weltbanker.

Bilanz einer Dekade der Armutsbekämpfung

Der 1990 veröffentlichte Weltentwicklungsbericht der Weltbank zum Thema Armut sollte eine neue Etappe in der internationalen Entwicklungspolitik einleiten. In Abkehr von einer rigiden, allein auf die Automatik der Marktprozesse vertrauenden Strukturanpassungspolitik der 80er Jahre ("getting the prices right") sollten die internationalen Entwicklungsagenturen in den 90ern ein "menschliches Antlitz" zeigen. Armutsbekämpfung sollte in den Mittelpunkt der entwicklungspolitischen Bemühungen rücken. Wachstumsförderung allein, so hatte man erkannt, führt keineswegs automatisch zu einer Verbesserung der sozialen Lage der Bevölkerung. Notwendig seien neben ausreichenden wirtschaftlichen Wachstumsraten zusätzlich gezielte Maßnahmen im Interesse der Armen und eine sozial orientierte Umverteilungspolitik. In der Praxis führte das aber keineswegs zu einer grundlegenden Veränderung der Stukturanpassungspolitik von Internationalem Währungsfonds und Weltbank. Diese blieben weiterhin bei ihrem Einheitsrezept von Austeritätspolitik, Privatisierung und Liberalisierung - obwohl klar war und ist, daß dies teilweise katastrophale soziale Auswirkungen hat. Es wurden lediglich zusätzliche Sozialprogramme aufgelegt, die aber nicht selten an den Kernproblemen vorbeigingen. So hat die Weltbank z.B.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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