Ausgabe Februar 2000

Ein Mann, ein Wort

"Wohlthaten annehmen, macht abhängig; man weiß nicht wie weit das führen kann... Keine Regel ist so allgemein, keine so heilig zu halten, keine führt so sicher dahin, uns dauerhafte Achtung und Freundschaft zu erwerben, als die: unverbrüchlich, auch in den geringsten Kleinigkeiten, Wort zu halten, seiner Zusage treu, und stets wahrhaftig zu seyn in seinen Reden." Adolph Freiherr Knigge Über den Umgang mit Menschen

Helmut Kohl hat heuer andere Sorgen und liest wohl eher Anwaltsbriefe als Knigge. Läse er etwas so Altmodisches und ahnte noch, was Anstand und Gesittung sind - er käme in die äußerste Verlegenheit: Sein Wort habe er gegeben, und deshalb will er nicht sagen, wer die Parteispender waren. Damit stellt er das, was die FAZ "sein persönliches Ehrenwort" 1) nennt, über das Gesetz, über das Parteispendengesetz, und über die Wahrheit. Da mag sich jeder seinen Vers darauf machen und überlegen, was für ein Ehrenmann der frühere Bundeskanzer ist oder ob er vielleicht so viel zu verbergen hat, daß er das, was er nur zum Wohl seiner Partei getan haben will, nur noch mit seinem Ehrenwort zudecken kann. Es ist der ehemalige Kanzler, der darüber entscheiden will, ob dem Gesetz - von ihm mit beschlossen - oder seinem Ehrenwort der Vorzug zu geben ist.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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