Ausgabe Februar 2000

Zwangsarbeit und Wirtschaftswunder

Zusammenbruch und Trümmer waren in Westdeutschland stets der Code für den Mai 1945, die vielbeschworene "Stunde Null". Daß es dennoch zu einem raschen wirtschaftlichen Aufstieg kam, kann dann nur als Wunder, eben als "Wirtschaftswunder" verstanden werden. Dies ist der Gründungsmythos der westdeutschen Wirtschaftsgesellschaft. Die Tatsachen allerdings lassen nicht auf ein Wunder schließen. Denn 1948 gab es in Westdeutschland 14% mehr und um ein Drittel jüngere Fabrikationsanlagen als 1935, und daß dies trotz Rüstungsproduktion, Kriegszerstörungen, Demontagen und trotz der millionenfachen Einberufung zum Kriegsdienst und damit fehlender Arbeitskräfte der Fall sein konnte, erklärt sich vor allem durch die Ausbeutung der Zwangsarbeiter sowie durch die Zufuhr von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Industrieprodukten aus den besetzten Gebieten. Um den Zusammenhang zwischen der Zwangsarbeit im Krieg und dem späterem "Wirtschaftswunder" wirklich aufzuklären, muß als erstes untersucht werden, was 1945 in welchem Ausmaß zerstört war (die Fabriken, das Transportwesen, die Wohnungen).

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.