Ausgabe Juli 2000

Soforthilfe für die Überlebenden

Erklärung auf der Pressekonferenz am 7. Juni 2000

Aus Anlaß der heutigen Verleihung des Demokratiepreises der "Blätter für deutsche und internationale Politik" und des Hearings im Bundestags-Innenausschuß erklärt der Sprecher des Bundesverbandes Information und Beratung für NS-Verfolgte, Lothar Evers:

Die rot-grüne Koalitionsvereinbarung vom Oktober 1998 fand deutliche Worte: "Die neue Bundesregierung wird [...] unter Beteiligung der deutschen Industrie eine Bundesstiftung 'Entschädigung für NS-Zwangsarbeit' auf den Weg bringen." Die Wirklichkeit sieht anders aus. Seit nunmehr anderthalb Jahren werden wir konfrontiert mit den Schwierigkeiten jener Unternehmen, die NS-Zwangsarbeiter beschäftigten, endlich die Verantwortung dafür zu übernehmen. Diese Unternehmen wollen sich mit gerade mal einem Promille ihres Jahresumsatzes von dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit freikaufen. Schon der zunächst angekündigte 1. September 1999 war als Auszahlungstermin für erste Leistungen nicht zu halten.

Gleiches wird wohl für den 1. September 2000 gelten. Keine Erklärung der amerikanischen Regierung scheint bisher geeignet, den entsprechenden Unternehmensmanagern ein ausreichendes Gefühl von "Rechtssicherheit" zu vermitteln, das sie zur unabdingbaren Voraussetzung erklären, die Überlebenden der NS-Zwangsarbeit zu entschädigen.

Sie haben etwa 26% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 74% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.