Ausgabe November 2000

Kokain-Krieg

Die "New York Times" hat Kolumbien einmal das "Bosnien Lateinamerikas" genannt. Hier tobt seit fast 40 Jahren ein blutiger, hinterhältiger Bürgerkrieg zwischen marxistisch-maoistischen Guerrilla-Einheiten, rechten Todesschwadronen, dem Militär und kriminellen Drogenkartellen: 30 000 Morde jährlich, sieben Entführungen täglich und rund zwei Millionen Flüchtlinge innerhalb der letzen zehn Jahre - die Hälfte von ihnen lebt im Exil in Nachbarstaaten. So lautet die nüchterne Zahlenbilanz des drittgrößten Landes Lateinamerikas. Neuerdings wird gar von einer "Vietnamisierung" gesprochen, da sich die Vereinigten Staaten immer engagierter in den internen Konflikt einmischen: mit viel Geld, mit Waffen, mit "Militärberatern" - sprich Soldaten. Seit der letzten Präsidentenwahl vor zwei Jahren versuchen die USA mit bisher einmaligen (Un-) Summen in erster Linie den Drogenanbau in dem Andenstaat auszutrocknen. Die Nachbarstaaten fürchten seither jedoch eine Ausweitung der "kolumbianischen Seuche" auf ihr Gebiet und eine militärische US-Intervention im großen Stil. Der gesamten Region droht eine Destabilisierung in bisher ungeahntem Ausmaß.

Worum es bei dem Bürgerkrieg geht, wissen selbst erfahrene Experten nicht mehr zu sagen. Nur eines ist klar: Das Land kennt kaum einen anderen Zustand.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema