Die anfangs harsche, nahezu vernichtende Kritik an Gerhard Schröder und seinem Kabinett fällt zwei Jahre später erheblich verhaltener und moderater aus. Das Berliner Pressekorps und die neuen Leute der Regierungsmehrheit scheinen sich mittlerweile gar zu mögen. Das "schmoozing with the press" beherrscht der Kanzler schließlich ziemlich perfekt. Und doch haben einige unverdrossen nachdenkliche Kommentatoren in ihrer Bilanz zu Beginn der Sommerpause auch Fragezeichen hinter die Regierungstechnik des Kanzlers gesetzt. Deren Klage galt allerdings nicht mehr - wie noch in den ersten Monaten von Rot-Grün - Chaos, Pannen und Inkompetenz. Gerügt wurde vielmehr eine neue Variante informellen Regierens, die sich im Kanzleramt breit gemacht hat. Einige Interpreten warnten gar vor einem Souveränitätsverlust der Legislative, witterten einen Trend zur Entparlamentarisierung der Republik. Für sie bastelt Schröder an der präsidialen Neuformierung des politischen Systems. Der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten brachte den neuen Regierungsstil seines Parteivorsitzenden ein wenig maliziös auf den Begriff der "Kungelrundendemokratie". Sonst blieb es in der SPD zwar noch ruhig, aber das unterschwellige Unbehagen ließ sich bei den mittlerweile stillgelegten Basisaktivisten nachgerade mit Händen greifen.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.