Ausgabe Dezember 2000

Höhen & Tiefen

Oder: Der deutsche Tag

"Was für die Deutschen das schlechte Gewissen, ist für die Franzosen die kritische Vernunft." Republikaner die einen, Untertanen die andern forever? Die klassische Unterscheidung von Herr und Hund, Selbstverantwortung oder Fremdsteuerung durch Angst, Instinkt, höhere Instanzen? Jean-Paul Picaper, dem Berliner Korrespondenten des "Figaro", verdanken wir den völkerkundlichen Hinweis aus gegebenem Anlaß (dem 9. November 2000) 1). Er kann sich auf frische Evidenz aus diesen Wochen stützen, und bös gemeint scheint er nicht, eher freundlich-ironisch. Man widerspräche gern: Danke für die Blumen, auf den Arm nehmen können wir uns selber... Leider dürfte der gängige Einspruch, der sich auch derber formulieren läßt, im deutschen Fall ins Leere stoßen. Könnten wir's nur, aber Deutsche nehmen ja alles - also in der Konsequenz: nichts wirklich - ernst, tierisch ernst. Und daß der Hund, soll er stubenrein werden, nun einmal immer wieder mit der Schnauze in den eigenen Dreck gestoßen werden muß...

Keine Angst, hier folgt keine Friedensrede à la Walser! Aber tief im Dreck steckt er, der deutsche Karren, in diesem Herbst 2000.

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