Ausgabe Dezember 2000

Höhen & Tiefen

Oder: Der deutsche Tag

"Was für die Deutschen das schlechte Gewissen, ist für die Franzosen die kritische Vernunft." Republikaner die einen, Untertanen die andern forever? Die klassische Unterscheidung von Herr und Hund, Selbstverantwortung oder Fremdsteuerung durch Angst, Instinkt, höhere Instanzen? Jean-Paul Picaper, dem Berliner Korrespondenten des "Figaro", verdanken wir den völkerkundlichen Hinweis aus gegebenem Anlaß (dem 9. November 2000) 1). Er kann sich auf frische Evidenz aus diesen Wochen stützen, und bös gemeint scheint er nicht, eher freundlich-ironisch. Man widerspräche gern: Danke für die Blumen, auf den Arm nehmen können wir uns selber... Leider dürfte der gängige Einspruch, der sich auch derber formulieren läßt, im deutschen Fall ins Leere stoßen. Könnten wir's nur, aber Deutsche nehmen ja alles - also in der Konsequenz: nichts wirklich - ernst, tierisch ernst. Und daß der Hund, soll er stubenrein werden, nun einmal immer wieder mit der Schnauze in den eigenen Dreck gestoßen werden muß...

Keine Angst, hier folgt keine Friedensrede à la Walser! Aber tief im Dreck steckt er, der deutsche Karren, in diesem Herbst 2000.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema