Ausgabe Februar 2001

Palästinas Flüchtlinge

In den ersten Oktobertagen letzten Jahres erschoss die israelische Polizei zehn israelische Bürger. Die Toten waren Israelis arabischer Herkunft, die Schützen Israelis jüdischer Herkunft. Jüdische Zivilisten brachten drei weitere israelische Araber um. Es war zu Beginn der Al-Aqsa-Intifada, die in nunmehr fünfzehn Wochen mehr als 350 Tote gefordert hat, die übergroße Mehrheit von ihnen Palästinenser. Der Aufstand hatte an der Grenzlinie, die das israelische Kernland von den besetzten Gebieten trennt, nicht Halt gemacht. Solidarität mit dem Aufstand der palästinensischen Brüder der Westbank und des Gazastreifens gegen die Besatzung mischte sich mit Zorn über die jahrzehntelange Diskriminierung im jüdischen Staat und entlud sich in Attacken gegen die Symbole der Staatsgewalt. Straßenkreuzungen wurden blockiert, Steine und Benzinflaschen flogen, Reifen brannten, Läden wurden verwüstet.

Der Gewaltausbruch war ein Schock für das Land. Man war sich der Loyalität der arabischen Minderheit zum Staate Israel so sicher gewesen! Aus den 150 000 Arabern, die im ersten israelisch-arabischen Krieg 1948 im Lande geblieben waren, sind mittlerweile eine Million geworden. Sie stellen knapp ein Fünftel der israelischen Bevölkerung. Die Geburtenrate beträgt 3,6%.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.