Ausgabe April 2001

Europa und die Raketenabwehr

Spektakulärer hätte das Drehbuch für 2001, das Jahr, in dem Stanley Kubricks berühmtes Filmopus "Odyssee im Weltraum" spielt, kaum beginnen können. Gerade erst durch Zufall zum neuen US-Präsidenten gekürt, stellte George W. Bush seine Allianz aus Sternenkriegern, Kalten Kriegern und Golfkriegern vor und bekräftigte den Führungsanspruch der USA im neuen Jahrtausend. Besonders der neue Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bewies, daß sich auch nach dem Ost-West-Konflikt mit Feindbildern Politik machen läßt. Bereits 1998 hatte die von ihm geleitete "Kommission zur nationalen Sicherheit" die "konzertierten Bemühungen einer Reihe offen oder potentiell feindlicher Nationen zur Erlangung ballistischer Raketen" ausgemacht. Der US-Kongreß verpflichtete daraufhin Bushs Vorgänger Clinton, sobald technisch möglich mit der Stationierung einer Raketenbwehr (National Missile Defense, NMD) zu beginnen. 2) Noch eins drauf setzte eine zweite von Rumsfeld geleitete Kommission, die mit ihrem Bericht vom 11. Januar 2001 die Gefahr eines "Pearl Harbor" ins Weltall projizierte. 3)

Die Begleitmusik zum neuen Reality-Movie lieferte Bush selbst, als er seinem Vater zum 10. Jahrestag des Golfkriegs einen Angriff auf den Irak schenkte.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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