Ausgabe August 2001

Supermächte putzen keine Fenster

Ein Satz, der momentan unter Hardlinern der politischen Szene Washingtons kursiert, lautet: "Supermächte sind nicht dazu da, Fenster zu putzen!" Mit den "ordinären Hausarbeiten", die in der Welt anfallen, können sich Mächte minderen Ranges abgeben - so zum Beispiel mit dem Versuch, die mazedonischen Slawen und die Albaner zu überzeugen, daß sie sich nicht gegenseitig umbringen sollten. Supermächte hingegen haben Wichtigeres zu tun. Das provoziert die Frage: Wozu genau sind Supermächte denn da? Die Vereinigten Staaten "putzen in Mazedonien keine Fenster". Die kleine US-Truppe in diesem Land dient der logistischen Unterstützung für NATO-Einheiten im Kosovo. Ihr würde gestattet werden, jede nach Mazedonien entsandte NATO-Streitmacht bei der Entwaffnung der albanischen Eindringlinge zu unterstützen.

Aber das, so Außenminister Colin Powell, wäre auch das Äußerste, wozu die Vereinigten Staaten bereit wären. Alles, was darüber hinausginge, hieße, einem Regierungsvertreter zufolge, den bisherigen Rahmen - insbesondere wohl in innenpolitischer Hinsicht - zu sprengen. Die Europäer werden mit Mazedonien allein zurechtkommen müssen.

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema