Alle Hoffnungen auf einen zumindest kalten Frieden im Israel/Palästina-Konflikt sind zerstoben, alle, die sich nach Oslo und während des letzten Camp David Treffens noch einer moderaten Zuversicht überließen, scheinen widerlegt. Die Lage in Israel/Palästina ist seit Ausbruch der zweiten Intifada vor einem Jahr hoffnungsloser denn je. Angesichts dieser Situation erweist sich die enggeführte Frage, welche Seite für den unmittelbaren Ausbruch dieser Intifada letztlich die Verantwortung trägt, als unerheblich. Während die palästinensische Seite den Aufstand offensichtlich seit längerem vorbereitet hatte, nahm die israelische Seite mit dem vom damaligen Premier Barak zugelassenen Besuch Scharons auf dem Tempelberg das Risiko gewaltsamer Auseinandersetzungen wissentlich in Kauf. Zu fragen ist also nicht, warum der Aufstand ausbrach, sondern warum die palästinensische Seite ihn vorbereitet und die israelische Seite ihn riskiert hat. Offenbar war die palästinensische Seite aufgrund der auch von Barak nicht eingestellten, sondern fortgesetzten Siedlungstätigkeit zu dem Schluss gekommen, Konzessionen in der Jerusalemfrage sei nicht zu trauen, während die israelische Seite nicht nur mit dem innenpolitischen Problem einer Rückführung der Siedler zu kämpfen hatte.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.