"Wir wissen, daß Mitarbeiter und bin Laden selbst auf dem Balkan gewesen sind", erklärte der griechische Außenminister Georgios Papandreou am 19. September. Zuvor hatte Athens Presse berichtet, daß Osama bin Laden und "zahlreiche seiner Mitarbeiter" im Februar 2001 nach Albanien und dem Kosovo gereist waren "möglicherweise auch durch Griechenland". 1) Inspizierte der Dirigent eines internationalen terroristischen Netzwerks 2) dessen balkanischen Teil? Wer kennt die Möglichkeiten, Pläne und koordinierenden Kompetenzen des Osama bin Laden? Ein messianischer Eiferer, mit organisatorischen Fähigkeiten und finanziellen Mitteln bestens versehen, rekrutiert in ökonomisch unterentwickelten und politisch destabilisierten Krisenregionen ideologisierte Anhänger, steigert deren anfänglich unbestimmte Frustration bis zum zielgerichteten Fanatismus und kommandiert sie im gegebenen Moment zu Aktionen, die als Unternehmen aus der eigenen Ideologie heraus legitimiert sind und deren "selbstmörderische" Natur durch irdische oder transzendente Verheißungen mehr als ausgeglichen wird.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.