Ausgabe Juli 2002

Zwei Idealisten gegen den Vatikan

Der Stellvertreter, das ist ein Theaterstück und das war mal ein Theaterskandal. Vielleicht kaufte deshalb eine italienische Filmproduktionsfirma damals flugs die Rechte an dem "Stoff". Warum er jetzt erst verfilmt wurde, wäre auch eine Frage, der nachzugehen lohnte... Rolf Hochhuth wagt in seinem Stück, das Verhalten von Papst Pius XII. (dem "Stellvertreter" Gottes auf Erden) angesichts des Holocaust zu kritisieren. Nach intensiven Recherchen konnte er in dem Stück beweisen, dass die katholische Kirche und der Papst damals ohne öffentlichen Protest zusahen, wie zuletzt sogar in Rom die Juden abtransportiert wurden - obwohl sie wussten, wohin die Reise der Deportierten ging. Dabei ist weniger die Frage wichtig, was oder wie viel ein Protest hätte verhindern können. Hochhuth prangerte vielmehr die prekäre Doppelfunktion der Kirche an: moralische Weltinstanz mit göttlicher Legitimation einerseits; Eignerin von Kapital und Besitztümern sowie Staat mit entsprechenden Interessen andererseits. Hochhuth nutzte die Institution Theater dazu, eine politische Diskussion zu entfachen.

In der Debatte meldeten sich neben den Verteidigern der Kirche sehr bald Kritiker zu Wort, die die dramaturgische Umsetzung thematisierten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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