Ausgabe Mai 2003

Serbien nach Djindjić

Nach dem Mord an Zoran Djindjic hatte die Regierung in Belgrad sofort begriffen, dass es jetzt vor allem galt, sehr rasch Zeichen zu setzen. Noch stand ja nicht fest, was sie erwartete: Würden Polizeieinheiten die Bürgermeisterämter stürmen und die verhassten Djindjić -Anhänger vertreiben? Würde irgendwer putschen? Würden die zahlreichen Gangster überall im Lande nun ihrerseits die Kollegen in Belgrad nachahmen und die lokalen Reformer erschießen? Damit das alles nicht passierte, musste die Regierung den Eindruck vermitteln, sie habe das Geschehen in der Hand.

So geschah es. Der ermordete Premier war noch nicht begraben, als schon Bulldozer der Belgrader Polizei im Stadtteil Zemun auffuhren und Anstalten machten, den vierstöckigen Glaspalast eines der berüchtigtsten Verbrecher weit und breit einfach einzureißen – ein vielleicht etwas mittelalterlicher Akt, aber immerhin ein rechtsstaatlicher, denn der Palast war selbstverständlich illegal gebaut.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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