Ausgabe November 2003

24

Die Rezensentin der "Frankfurter Rundschau" ist begeistert von der "spannendsten Krimiserie, die je produziert worden ist", und fügt, als befürchte sie, nicht ernst genommen zu werden, hinzu: "doch, doch, das ist so, bestimmt". Wochenlang hat sie ihren Tages- und Wochenablauf an die Sendezeiten angepasst, und deswegen mag sie nicht über die (ideologie)- kritischen Punkte schreiben, die sie trotzdem so ausführlich aufzählt, dass sie fast die Hälfte des Texts ausmachen (27.9.).

Die Serie, von der hier die Rede ist, wurde in RTL2 gesendet und als revolutionäre Neuerung verkauft. Alles spielt sich an einem einzigen Tag ab, und von diesem Tag erzählt jede Folge eine Stunde "in Echtzeit", also hat die Serie 24 Folgen und heißt deshalb auch so. Da es eine US-amerikanische Produktion ist, musste ein Teil des Zeitablaufs für die Werbung vorgesehen werden. So sind die einzelnen Folgen nur etwa 45 Minuten lang. Dem Rezipienten dürften weder die Rigorosität des Konzepts noch die Zwänge, derentwegen es durchbrochen wurde, besonders aufgefallen sein. Die gelegentlich eingeblendete Digitaluhr ist letztlich nur ein einfacher Kunstgriff zur Spannungserzeugung, mäßig interessant allenfalls für formale Analysen fernsehgerechter narrativer Strategien.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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