Ausgabe Januar 2004

Von Amerika lernen

Vier Vorschläge zur Hochschulreform

Eine Reformpolitik für die höhere Bildung in Deutschland steht vor zwei großen Herausforderungen. Zum einen muss eine nachhaltige Lösung für die seit Jahrzehnten mangelhafte Finanzierung der Hochschulen gefunden werden. Ein umfassender Vorschlag dazu, der bis heute leider seine Aktualität nicht verloren hat, wurde in einer früheren Ausgabe dieser Zeitschrift präsentiert.1 Zum anderen wird aber auch von vielen Seiten nach einem organisatorischen Neustart einer etwas in die Jahre gekommenen Institution gerufen.

Das ist keine triviale Aufgabe, die mit der einfachen Übertragung von erfolgreichen Konzepten aus anderen Gesellschaftsbereichen zu lösen wäre. Denn Hochschulen stellen organisationsseitig etwas ganz Eigenes dar. Um die Kategorien des Soziologen Talcott Parsons zu benutzen: die Universität gehört nicht zur Sphäre der Ökonomie, sie gehört nicht zur Dimension der Politik, sondern sie gehört zum Treuhandsystem der Gesellschaft.2 In einer Selbstbindung moderner Gesellschaften werden ihre kognitiven Ressourcen durch institutionelle Absonderung sowohl vor der Anfechtung durch die eigennützigen Interessen des Geldes wie vor der Verführung durch eine Unterordnung unter Mehrheitsmeinungen geschützt, bewahrt und entwickelt.

Die Treuhänder-Funktion des Wissenschaftssystems findet international breite Akzeptanz.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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