Ausgabe März 2004

Ein Jahr Agenda 2010

Leitbild für eine große Steuerreform

Die rot-grüne Steuerpolitik hat einen massiven Reformstau produziert: Alte Mängel des Steuersystems beseitigte sie nur unzureichend und schuf zudem neue Probleme. Weder beim Abbau legaler Steuerschlupflöcher noch beim Kampf gegen Steuerkriminalität kann Rot-Grün Erfolge vorweisen. Steuersenkungen ohne wirtschaftliche Zuwachsimpulse führten zur Verringerung der staatlichen Finanzbasis vor allem auf der Ebene der Kommunen. Während die Einkommensstarken und Vermögenden Ziele staatlicher Reichtumspflege sind, müssen die Bezieher von Masseneinkommen eine vergleichsweise größere Steuerlast schultern.

Dieser komplexe Reformstau lässt sich durch die bloße Flucht in die Konkurrenz um Steuersenkungen mit illusionär überzogenen Erwartungen an Vereinfachung jedoch nicht lösen. Demnach widersprechen die derzeit diskutierten Vorschläge zu einem radikalen Umbau der Einkommensbesteuerung, insbesondere jene von Friedrich Merz und Paul Kirchhof, den Anforderungen an ein modernes Steuersystem.1 Primär muss dieses auf der Basis sozial gerechter Lastenverteilung den öffentlichen Sektor für seine Zukunftsaufgaben ausreichend finanziell absichern. Das entscheidende Problem des heutigen Steuersystems liegt nicht in der Kompliziertheit und Intransparenz, sondern in der mangelnden Zielorientierung begründet. Deshalb bedarf es zur Überwindung des Steuerchaos eines die folgenden zentralen Grundsätze enthaltenden steuerpolitischen Leitbildes:

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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