Ausgabe März 2004

Ein Jahr Agenda 2010

Leitbild für eine große Steuerreform

Die rot-grüne Steuerpolitik hat einen massiven Reformstau produziert: Alte Mängel des Steuersystems beseitigte sie nur unzureichend und schuf zudem neue Probleme. Weder beim Abbau legaler Steuerschlupflöcher noch beim Kampf gegen Steuerkriminalität kann Rot-Grün Erfolge vorweisen. Steuersenkungen ohne wirtschaftliche Zuwachsimpulse führten zur Verringerung der staatlichen Finanzbasis vor allem auf der Ebene der Kommunen. Während die Einkommensstarken und Vermögenden Ziele staatlicher Reichtumspflege sind, müssen die Bezieher von Masseneinkommen eine vergleichsweise größere Steuerlast schultern.

Dieser komplexe Reformstau lässt sich durch die bloße Flucht in die Konkurrenz um Steuersenkungen mit illusionär überzogenen Erwartungen an Vereinfachung jedoch nicht lösen. Demnach widersprechen die derzeit diskutierten Vorschläge zu einem radikalen Umbau der Einkommensbesteuerung, insbesondere jene von Friedrich Merz und Paul Kirchhof, den Anforderungen an ein modernes Steuersystem.1 Primär muss dieses auf der Basis sozial gerechter Lastenverteilung den öffentlichen Sektor für seine Zukunftsaufgaben ausreichend finanziell absichern. Das entscheidende Problem des heutigen Steuersystems liegt nicht in der Kompliziertheit und Intransparenz, sondern in der mangelnden Zielorientierung begründet. Deshalb bedarf es zur Überwindung des Steuerchaos eines die folgenden zentralen Grundsätze enthaltenden steuerpolitischen Leitbildes:

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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