Ausgabe April 2004

Teherans Atompolitik

Die Balance of Power und das regionale Sicherheitsdilemma

Die iranische Atomenergiepolitik steht seit dem Frühjahr 2003 mit im Zentrum der internationalen Debatte um die künftige Entwicklung der Region. Während die Vereinigten Staaten die iranische Regierung verdächtigen, die Fähigkeit zur Anreicherung von Uran – und damit eine zentrale Voraussetzung für den Bau von Atombomben – erwerben zu wollen, insistierte die iranische Regierung stets auf dem friedlichen Charakter des iranischen Atomenergieprogramms und hob ihre Bereitschaft hervor, die Bestimmungen des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrages (NVV) einhalten zu wollen.

Durch die Vermittlung der EU-Außenminister zwischen der iranischen Regierung und der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) Ende Oktober 2003 erklärte sich der Iran bereit, das 1997 beschlossene Zusatzprotokoll zum Nichtverbreitungsvertrag (NVV) zu unterzeichnen und der IAEO den vollständigen Zugang zu allen atomaren Anlagen zu gewähren. Damit wurde eine weitere Eskalation des Konflikts vorerst abgewendet. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass auch weiterhin die iranische Regierung auf der einen und die Vereinigten Staaten auf der anderen Seite in der Atomenergiefrage gegensätzliche Ziele verfolgen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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