Ausgabe Mai 2004

Alte Hegemonie und Neue Kriege

(Streitgespräch)

Das Gespräch fand am 26.3.2004 auf der Tagung „Neuere Kriegstheorien – eine Zwischenbilanz“ der DVPW-Sektion „Politische Theorie und Ideengeschichte“ und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung statt. Moderator war Matthias Arning von der „Frankfurter Rundschau“.

Matthias Arning:

Viele Leute vertreten die These, Al Qaida hätte die Wahl in Spanien gewonnen. Handelt es sich dabei lediglich um eine demokratietheoretisch kühne Phantasie oder kann man tatsächlich sagen, dass der spanische Premierminister dem Westen und Europa schadet, wenn er seine Soldaten aus dem Irak abzieht? Deshalb an den Politologen Herfried Münkler die Frage: Welche Konsequenzen hätte der Abzug der Spanier?

Herfried Münkler:

An Spanien wird zunächst sichtbar, dass demokratische Staaten, wenn sie sich auf Prozesse von Nationbuilding – und das ist es, woran sich die Spanier beteiligen – einlassen, vorher einen bewussten und belastbaren Konsens innerhalb ihrer Bevölkerung herstellen müssen. Tun sie dies nicht oder gelingt ihnen dies nicht, werden sie zu einem attraktiven Ziel für gegnerische Akteure. Um es zuzuspitzen: Aznar hat versucht, im Zusammenhang mit dem Irakkrieg Großmachtpolitik zu spielen, ohne die Rückendeckung seiner Bevölkerung zu besitzen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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