Ausgabe Mai 2004

Kuba 2004

Dollarbürger und Habenichtse

Kubas Wirtschaftsforscher zeigen sich vorsichtig zufrieden. Im 45. Jahr der Revolution, gekoppelt mit dem 13. Jahr des "período especial", gibt sich die Revolution stabilisiert. Die Wirtschaft wächst wieder; Zusammenbrüche des Stromnetzes sind seltener geworden; auf den Agrarmärkten gibt es fast alles in ausreichender Menge, auch Speiseöl, Schweinefleisch, Reis, Bohnen und Knoblauch, die für die Zubereitung des kubanischen Nationalgerichts unentbehrlichen Ingredienzen; auf Havannas Straßen fahren neben den 50er- Jahre-Oldtimern zunehmend auch neu importierte Autos und Busse; gelegentlich gibt es bereits einen Morgenstau.

Welch eine Veränderung gegenüber den frühen 90ern, als Kuba nach der Implosion der Sowjetunion auseinander zu brechen drohte. Andrés Oppenheimer, Lateinamerika-Kommentator des "Miami Herald", schrieb damals den Bestseller "Castro’s Final Hour". Das Bruttosozialprodukt der Zuckerinsel schrumpfte um mindestens 44 Prozent. Hunger griff um sich und trieb Zehntausende als "Boatpeople" nach Florida. Vor Havannas Deauville-Hotel rottete sich damals zum ersten Mal eine Anti-Castro-Demonstration zusammen.

Freilich, bei jedem Wirtschaftswunder muss nach dem Preis gefragt werden. Und der liegt in Kuba exorbitant hoch. Denn die Dollarisierung, Mitte der 90er Jahre legalisiert, unterteilt das Land in Dollarbürger und Habenichtse.

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