"Überraschung", "Linksruck" und "Instabilität" lauten die Schlagworte, mit denen die Kommentatoren den Ausgang der kanadischen Wahlen vom 28. Juni 2004 beschreiben. In der Tat ist das Wahlergebnis eine faustdicke Überraschung vor allem für jene Demoskopen, die noch bis zum Wahltag ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der regierenden Liberal Party unter Premierminister Paul Martin und der oppositionellen Conservative Party of Canada vorausgesagt hatten. Stattdessen werden die Liberalen mit 36,7 Prozent der Stimmen (135 Abgeordnete) vermutlich eine Minderheitsregierung stellen können und damit die Konservativen, die lediglich 29,6 Prozent (99 Sitze) erlangten, klar auf Platz 2 verweisen. Die sozialdemokratische New Democratic Party (NDP) verdoppelte ihren Anteil auf 15,7 Prozent (19 Sitze). Die Grünen errangen einen Achtungserfolg mit 4,3 Prozent, blieben aber aufgrund des Mehrheitswahlrechts ohne Abgeordnete. Überrascht hat auch das gute Abschneiden des nur in der frankophonen Provinz Québec angetreten Bloc Québécois mit landesweit 12,4 Prozent (54 Abgeordnete).
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.