Ausgabe August 2004

Der Pate

Carl Schmitt und die Sicherheitsstrategie der USA

Michael Linds Versuch, die ideengeschichtlichen Ursprünge der Ideologie US-amerikanischer Neokonservativer im linken Spektrum zu verorten,1 ist keineswegs isoliert zu sehen.

Michael Linds Versuch, die ideengeschichtlichen Ursprünge der Ideologie US-amerikanischer Neokonservativer im linken Spektrum zu verorten,1 ist keineswegs isoliert zu sehen. Nach einer verbreiteten Auffassung hat das von Richard Perle und anderen verfochtene Programm einer "globalen demokratischen Revolution" sein Urbild in der trotzkistischen Vierten Internationale und ihrer Vision einer Permanenten Revolution.2 Die Belege, die Lind liefert, sind freilich nicht unproblematisch. So heißt es beispielsweise, die zentrale Stellung, die der Patriotismus etwa bei William Kristol einnehme, verweise genealogisch ganz eindeutig auf Leo Trotzkis Programm einer von der UdSSR gesteuerten Weltrevolution, das nun von den USA beerbt werde. Die Fragwürdigkeit dieser Argumentation einmal dahingestellt,3 fällt auf, dass die Konstruktion Linds das Gegenstück zu einer ideengeschichtlichen These liefert, die vor allem in Westeuropa Anhänger gefunden hat: Die Bush-Doktrin habe - so wird zu Recht behauptet - definitiv rechtsintellektuelle Vorbilder. Meistens bringt man die Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) mit Leo Strauss’ politischer Philosophie in Verbindung.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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