Ausgabe Januar 2005

Die Weltwirtschaft und ihre Zugpferde

Das Jahr 2004 war wirtschaftlich gesehen ein Jahr der Superlative - auch wenn man davon in Deutschland nicht viel gemerkt hat. Doch die meisten Regionen der Welt konnten ein außerordentlich hohes Wirtschaftswachstum verzeichnen. Die Weltbank registriert in ihrem jährlichen Ausblick "Global Economic Prospects" teilweise die höchsten Wachstumsraten seit 30 Jahren. Doch scheint der Höhepunkt des 2000/2001 begonnen Konjunkturzyklus’ erreicht zu sein; die kommenden Jahre werden den Prognosen zufolge durch stärkere strukturelle Verwerfungen gekennzeichnet sein, die zu einer abflachenden Expansion führen werden.

[Tabelle: Wachstum der Weltwirtschaft (Veränderung in Prozent gegenüber dem Vorjahr, feste Preise)]

Die - gemessen an den Wachstumsraten - ungünstige Entwicklung in Europa sticht ins Auge: Die Schlusslichtposition Europas wird in Deutschland bekanntermaßen vorgeblichen Verkrustungen der Arbeitsmärkte, dem Ladenschlussgesetz, hohen Sozialausgaben, Missachtung der Verschuldungskriterien von Maastricht, fehlendem Reformwillen im "alten Europa" usw. zugeschrieben werden. Unsere ideologisierte Reformdebatte hat sich inzwischen ihre eigene Realität geschaffen und nimmt Tatsachen nicht mehr zur Kenntnis.

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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