Ausgabe Februar 2005

Bush zum Zweiten

Während Präsident Bush seine zweite Amtszeit antritt, gehen die politischen Auseinandersetzungen, die die Wahl entschieden haben, weiter. Der Präsident leugnet das irakische Desaster und ruft die Nation auf, ihre moralischen Vorzüge dadurch zu demonstrieren, dass sie ihm den Rücken stärkt. Indem er jedoch mit Alberto Gonzales als neuem Justizminister ausgerechnet jenen Rechtsberater des Weißen Hauses berief, der entscheidenden Anteil daran hatte, dass Folter und willkürliche Inhaftierung für legitim erklärt wurden, hat Bush dem Moralverständnis der Nation in der Tat einen charakteristischen Zuschnitt verpasst: den ungezügelter Brutalität.

Die Social Security, das Kernstück des amerikanischen Wohlfahrtsstaates, möchte er jedenfalls reformieren, indem er sie zerstört: Die Leistungen für diejenigen, die in den nächsten Jahrzehnten in Rente gehen, sollen gekürzt und jüngere Arbeitnehmer dazu genötigt werden, als Ersatz für die garantierten Altersbezüge des gegenwärtigen Systems in spekulative Geldanlagemöglichkeiten zu investieren. In Kürze soll das Steuersystem grundlegend verändert werden und an die Stelle progressiver Steuersätze eine bundesweite Verbrauchs- oder Mehrwertsteuer treten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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